Rahmenplan "Singen-Bewegen-Sprechen" in KindergĂ€rten und weiteren Tageseinrichtungen fĂŒr Kinder in der Fassung vom 05.02.2013

1. Vorbemerkungen

Singen, Bewegen und Sprechen sind in der kindlichen Entwicklung aufs engste miteinander verbunden. Sie bedingen sich positiv und finden ihren ganzheitlichen Ausdruck im kindlichen Verhalten. Kinder erleben beim Hören von Gesang, Sprache und Musik und erst recht beim eigenen Singen, Sprechen und Musizieren elementare Freude, die durch entsprechende Bewegung gesteigert wird. Der emotionale Ausdruckswille, wie er auch beim Musizieren umgesetzt wird, entspricht einem GrundbedĂŒrfnis des Menschen. Diese Freude gilt es aufzugreifen und pĂ€dagogisch zu nutzen. Das Musizieren fördert grundsĂ€tzlich die Entwicklung des heranwachsenden Kindes. Hierzu fordert der Orientierungsplan fĂŒr Bildung und Erziehung in baden-wĂŒrttembergischen KindergĂ€rten und weiteren Kindertageseinrichtungen auf. Mit seinem kindorientierten, ganzheitlichen Ansatz gestaltet er den Kindergarten unter anderem als Ort fĂŒr das Singen und die Musik in allen kindgerechten Formen des praktischen Umgangs, auch in der Verbindung mit Sprache, Bewegung, Spiel und Tanz.

2. Intentionen von "Singen-Bewegen-Sprechen"

Die Entwicklung von Kindern soll im Kindergarten ganzheitlich, individuell und nachhaltig fördern. Die gesamte Persönlichkeit des Kindes soll gestĂ€rkt und der Übergang in die Schule gĂŒnstig beeinflusst werden. Das Angebot im Kindergarten/in der Tageseinrichtung wird mit "Singen-Bewegen-Sprechen" in Bezug auf die Sprachförderung um eine pĂ€dagogisch wertvolle und qualitativ hochwertige Komponente ergĂ€nzt und erweitert.

3. Zusammenhang mit dem Orientierungsplan

Die Ziele, Inhalte und die pÀdagogisch-didaktische Konzeption von "Singen-Bewegen-Sprechen" sind auf den Orientierungsplan abgestimmt. Das Programm greift Themen der Kinder auf und wird damit in die Bildungs- und Erziehungsarbeit des Kindergartens auf der Grundlage des Orientierungsplans integriert.

Das musikpĂ€dagogische Personal benötigt fundierte Kenntnisse ĂŒber den Orientierungsplan. Dies gilt sowohl fĂŒr das dort formulierte GrundverstĂ€ndnis von Bildung und Erziehung im Kindergarten und den daraus abgeleiteten Zielen und Koopera-tionsfeldern als auch fĂŒr die Umsetzung der sechs Bildungs- und Entwicklungsfelder in der pĂ€dagogischen Arbeit im Kindergarten.

4. Erziehungs-, Bildungs- und Entwicklungsziele

Sprache ist der SchlĂŒssel fĂŒr Bildungsbeteiligung und gesellschaftliche Teilhabe. Kontinuierliche Sprachbildung, Begleitung des Spracherwerbs und konsequente Sprachförderung von Anfang an unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten ist ein wichtiger Aufgabenbereich der Kindertageseinrichtungen. Ziel ist eine alltagsintegrierte Sprachförderung vom ersten Kindergartentag an. Die Sprachkompetenz aller Kinder wird durch eine ganzheitlich ausgerichtete Sprachbildung wĂ€hrend der gesamten Kindergartenzeit gefördert. Haben Kinder darĂŒber hinaus intensiven Sprachförderbedarf, kann ihnen ĂŒber die gesamte Kindergartenzeit (fĂŒr 3- bis 6-jĂ€hrige Kinder) eine zusĂ€tzliche Sprachförderung zu Teil werden. Dazu steht S-B-S ab dem Kindergartenjahr 2012/13 als einer von zwei Förderwegen zur Wahl.

Kinder

  • erleben Freude an der Musik
  • (u. a. Musizieren als Selbstzweck und in Verbindung mit Bewegung und Sprache),
  • entwickeln ihre Persönlichkeit durch eine StĂ€rkung
    1. der Eigen-, Fremd- und Gruppenwahrnehmung entsprechend dem Beziehungs-Dreieck Ich-Du-Wir,
    2. des Selbstbewusstseins und des SelbstwertgefĂŒhls,
    3. des sozialen Verhaltens in der Gruppe (siehe auch Orientierungsplan Bildungs- und Entwicklungsfeld 5: GefĂŒhl und MitgefĂŒhl)
  • differenzieren ihre sinnliche Wahrnehmung, KreativitĂ€t und GestaltungsfĂ€higkeit (siehe auch Orientierungsplan Bildungs- und Entwicklungsfeld 2: Sinne),
  • erweitern die FĂ€higkeit, Musik wahrzunehmen, sich zu Musik körperlich differenziert auszudrĂŒcken, dem Entwicklungsstand gemĂ€ĂŸ zu singen sowie auf elementaren Instrumenten zu musizieren (siehe auch Orientierungsplan Bildungs- und Entwicklungsfeld 1: Körper),
  • entwickeln ihre grob- und feinmotorischen FĂ€higkeiten weiter (siehe Orientierungsplan: Bildungs- und Entwicklungsfeld 1: Körper),
  • bauen ihre kognitiven FĂ€higkeiten, insbesondere in den Bereichen Sprache und Sprechverhalten, DenkfĂ€higkeit, GedĂ€chtnis und MerkfĂ€higkeit sowie Aufmerksamkeit und Konzentration aus (siehe auch Orientierungsplan Bildungs- und Entwicklungsfelder 3, 4: Sprache, Denken),
  • entwickeln ihre Leistungsmotivation, das Spiel- und Arbeitsverhalten sowie Durchhaltevermögen.

5. Bildungsarbeit

5.1 EinfĂŒhrung

"Ausgangspunkte fĂŒr das pĂ€dagogische Handeln sind in der Erziehungs- und Bildungsmatrix (des Orientierungsplans) die Schnittstellen zwischen den Bildungs- und Entwicklungsfeldern und den Motivationen des Kindes. (
..). Sie bĂŒndeln und strukturieren die Impulsfragen zur Konkretisierung des pĂ€dagogischen Handelns. Dies erfolgt einerseits in geplanter Form durch die absichtsvolle Gestaltung von AktivitĂ€ten (Programm, Angebote, Projekte 
), andererseits durch die Reaktionen der Erzieherin auf das, was Kinder beschĂ€ftigt, wie und wofĂŒr sie sich engagieren." (Orientierungsplan in der Fassung nach Anhörung, Stand 17.06.2009, Seite 78)

„Singen-Bewegen-Sprechen“ wird in der Regel wöchentlich in didaktischen Einheiten von 60 Minuten gemeinsam von einer musikpĂ€dagogischen Fachkraft und einer Erzieherin/ einem Erzieher durchgefĂŒhrt. Bis zu 15 Minuten jeder didaktischen Einheit können fĂŒr die Koordination und den fachlichen Austausch zwischen den Tandempartnern eingesetzt werden. FĂŒr den Know-how-Transfer in den Kindergartenalltag und die Vertiefungsarbeit wĂ€hrend der Woche ist dieser kontinuierliche und enge fachliche Austausch ĂŒber den Inhalt der didaktischen Einheiten und die (Zwischen-) Ergebnisse im Hinblick auf die Zielsetzungen von „Singen-Bewegen-Sprechen“ unerlĂ€sslich.

Die Konzeption der jeweiligen didaktischen Einheiten und der Projekte zu besonderen AnlÀssen orientiert sich an diesem Rahmenplan und an den Gegebenheiten vor Ort.

Die DurchfĂŒhrung der Angebote und Projekte bei „Singen-Bewegen-Sprechen“ erfolgt entsprechend den nachfolgend aufgefĂŒhrten Impulsfragen, die didaktisch verbindlichen Charakter haben.

5.2 Impulsfragen

  1. FĂŒr den Bereich Singen:
    • Wie erreicht das Kind, dass es in der richtigen Tonlage singt?
    • Wie werden Kinder dazu angehalten, auf Atmung und Stimmbildung zu achten?
    • Wie gelingt es Kindern, den melodischen Spannungsbogen nachzuvollziehen?
    • Wie wird das Kind ermutigt, mit der Stimme zu experimentieren und zu improvisieren?
  2. FĂŒr den Bereich Bewegen:
    • Welche musikalischen Bewegungsanreize erhalten Kinder zur Ausdifferenzierung der Grob- und Feinmotorik (z. B. laufen, gehen, springen, schleichen, kriechen, Hand- und Fingerbewegungen)?
    • Wie kommen dabei Form, Takt, Rhythmus, Tempo und Dynamik angemessen zur Geltung?
    • Wie werden Kinder angeregt, in ausreichendem Maße auf die QualitĂ€t der BewegungsablĂ€ufe zu achten?
    • Welche Möglichkeiten erhalten Kinder, ihr BedĂŒrfnis nach Bewegung zu Musik zu entwickeln?
  3. FĂŒr den Bereich Sprechen:
    • Wie werden Kinder zur Beachtung der umfassenden Komponenten von Sprache und Kommunikation hingefĂŒhrt (zwischenmenschlicher Dialog, wechselseitiges Verstehen, RĂŒckmeldung holen und geben)?
    • Wie werden Kinder motiviert und unterstĂŒtzt, z. B. auf die richtige Aussprache und Sprachmelodie zu achten?
    • Welche Anregungen erhalten Kinder zur sprachlichen Artikulation und Verbesserung ihrer AusdrucksfĂ€higkeit?
    • Wie werden Situationen geschaffen, in denen Kinder die mimische und gestische Kommunikation ausprĂ€gen können?
  4. Übergreifende Impulsfrage:
    • Wie erfahren Kinder bei "Singen-Bewegen-Sprechen" das mehrperspektivische BildungsverstĂ€ndnis des Orientierungsplans (z. B. ganzheitliches Erleben des Kindes, integrative Verbindung der Bildungsfelder, Bildungsmatrix)?

5.3 DurchfĂŒhrung und Vertiefung

Die Bildungsarbeit gliedert sich in zwei Bestandteile:

  1. VerlĂ€ssliche, in der Regel wöchentliche Angebote, die die musikalische Fachkraft und die Erzieherin oder der Erzieher gemeinsam durchfĂŒhren. Diese sind organisatorisch auf die jeweilige Vor-Ort-Situation im Kindergarten abzustimmen.
  2. Weitere Phasen im Laufe der Woche, mit denen wichtige Inhalte des Musikangebots von der Erzieherin/dem Erzieher in den Tagesablauf integriert werden.

FĂŒr die Konzeption und Planung der didaktischen Einheiten trĂ€gt die musikpĂ€dagogische Fachkraft die Hauptverantwortung. Die hierfĂŒr notwendigen ergĂ€nzenden Kompetenzen hat sie sich durch entsprechende Fortbildungen angeeignet und gibt das inhaltliche, musikpĂ€dagogische und didaktische Wissen und Können an die Erzieherin/den Erzieher weiter und leitet diese(n) bei Bedarf fachlich an. Die Erzieherin trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr die Vertiefungsarbeit im Laufe der Woche.

Die Vertiefungsarbeit ist fĂŒr den kontinuierlichen Bildungs- und Entwicklungsprozess außerordentlich wichtig und dient der individuellen Förderung eines jeden Kindes. Welchen zeitlichen Umfang diese Wiederholungs- und Vertiefungsphasen haben, liegt in der Entscheidung der verantwortlichen Erzieherin/des Erziehers. Die ModalitĂ€ten der jeweiligen Wiederholungen und Vertiefungen sollten mit der musikpĂ€dagogischen Fachkraft abgestimmt sein.

Die regelmĂ€ĂŸige Anwesenheit aller Kinder in den didaktischen Angeboten ist eine sinnvolle Voraussetzung fĂŒr das Gelingen. So kann aufbauend und zielgerichtet gearbeitet werden. Deshalb sollten die didaktischen Einheiten ebenso wie die Wiederholungen und Vertiefungen zu lernbegĂŒnstigten Tageszeiten stattfinden.

FĂŒr "Singen-Bewegen-Sprechen" (Basiseinheit und Wiederholungs-/Vertiefungs-phasen) wird elementares Instrumentenmaterial (Handtrommeln, Triangel, Claves, Klanghölzer, Fingercymbeln etc.) benötigt.

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